Bauen & Umwelt

Landratsamt Oberallgäu

Oberallgäuer Platz 2 • 87527 Sonthofen

Telefon Symbol

(0 83 21) 6 12 - 0

Fax Symbol

(0 83 21) 6 12 - 369

Zeiten Symbol

Öffnungszeiten

gruenten_header
  • Schrift klein
  • Schrift mittel
  • Schrift groß

Torffrei gärntnern

"regional handeln, global denken".

Zum Thema "torffrei gärtnern" startete die Allgäuer Moorallianz 2012 eine Imagekampagne nach dem Motto "regional handeln, global denken". Eine große Anzahl von Partnern hat sich zusammengefunden, um den Einsatz torffreier Substrate im Gartenbau zu fördern – und damit den Torfabbau in Mooren zu reduzieren: der Kreisgartenverband Ostallgäu, Kreisfachberatungen für Gartenkultur und Landespflege im Ostallgäu und Oberallgäu, Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und weitere Akteure sind mit von der Partie, wenn es um aktiven Moorschutz geht.

Erster Schritt der Kampagne ist eine allgäuweite Liste derjenigen Handelsunternehmen, die bereits torffreie Blumenerde vertreiben. Der interessierte Gartenfreund kann damit sein Einkaufsverhalten leichter moorfreundlich gestalten. Die Liste ist unter www.moorallianz.de zu finden und bei allen Partnern erhältlich.

Weiter stehen auf dem Programm der Partner: öffentliche Vortragsveranstaltungen, Fachgespräche mit Handel und Gärtnereien sowie Personalschulungen für den Handel. Die Kampagne soll deutlich machen, wie leicht jeder Einzelne durch bewusstes Einkaufsverhalten Natur- bzw. Moorschutz persönlich unterstützen kann.
 

Hintergrund

Wer für Garten und Blumenkästen Erde benötigt, findet im Handel eine große Auswahl. Was viele GärtnerInnen nicht wissen: die meisten dieser Produkte enthalten hohe Anteile an Torf, der aus Mooren entnommen wird. Dafür werden Moore entwässert und abgebaut. Torf wächst zwar nach, allerdings dauert es ungefähr 1.000 Jahre, bis ein 1 m mächtiger Torfkörper entsteht. Beim Abbau werden dagegen in wenigen Jahren mehrere Meter dicke Torfschichten abgebaut; durch die Zersetzung des belüfteten Torfes (auch im Garten) entweichen riesige Mengen an Kohlendioxid (CO2). In Deutschland werden für den Garten- und Hobbygartenbau jährlich rund 12 Mio. Kubikmeter Torf verbraucht, das entspricht ca. 40.000 ha Moorflächen (etwa 40.000 Fußballfelder). In Bayern ist der Torfabbau zwar weitgehend beendet; bei der anhaltend hohen Nachfrage nach Torf-Substraten wird der Abbau nur verlagert, z. B. nach Norddeutschland, ins Baltikum oder nach Russland.
Torf hat ideale Eigenschaften als Pflanzensubstrat. Das Material ist locker, leicht durchwurzelbar, kann viel Wasser speichern, hat genügend Luftporen und enthält keine Unkrautsamen.
Jedoch haben auch torffreie Ersatzsubstrate aus hochwertigen Rohstoffen vergleichbare Eigenschaften und Qualitätsmerkmale vorzuweisen. Das zeigen aktuelle Untersuchungen u.a. der Staatlichen Versuchsanstalt für Gartenbau in Weihenstephan.

Folgende fünf Argumente sprechen für die Verwendung torffreier Blumenerde:

Moorschutz ist Klimaschutz
In entwässerten Mooren wird der Torf mit Sauerstoff zu CO2 zersetzt und entweicht als Gas in die Luft. Jeder Hektar entwässertes Hochmoor entspricht der Kohlendioxid-Menge eines Mittelklassewagens mit einer Fahrtleistung von 20.000 km im Jahr. In naturnahen Mooren ist der Kohlenstoff gespeichert. Die Renaturierung von entwässerten Mooren ist eine sehr effiziente und billige Form von Klimaschutz: CO2-Vermeidungskosten pro Tonne CO2: Moorschutz: ca. 20-100 €/to, andere Maßnahmen sind deutlich teurer, bei Biomasse z. B. 150-470 €/t CO2-Äquivalent.

Moorschutz ist Hochwasserschutz
Moore haben eine extrem hohe Wasserspeicherfähigkeit. Wie ein riesiger Schwamm in der Landschaft wirken sie als natürliche Wasserrückhaltegebiete und verzögern den Abfluss.

Moorschutz ist Artenschutz
In Mooren kommen eine ganze Reihe hochgradig gefährdeter Tier- und Pflanzenarten vor. Moorschutz ermöglicht den Erhalt wichtiger Lebens- und Rückzugsräume und damit diesen seltenen Arten das Überleben –und damit den oft gruselig-spannenden Hochmooren und der vielfältigen abwechslungsreichen Landschaft, die Einheimische und Gäste gleichermaßen schätzen.

Torffreie Blumenerde unterstützt die regionale Kreislaufwirtschaft
Im Garten fällt jedes Jahr frischer Kompost an. Ein wesentlicher Bestandteil torffreier Blumenerden ist das Kompostmaterial. Dieses sowie Rindenkompost, Rindenhumus, Holzhäcksel und Holzfasern, die ebenfalls für torffreie Blumenerde nötig sind, werden aus regionalen Abfallstoffen gewonnen (Gartenkompost, Landschaftspflegematerial etc.). Werden diese Stoffe vermehrt für Blumenerde aufbereitet, kommen die Rohstoffe wieder aus der Region.

Torffreie Blumenerde hält die Kaufkraft in der Region
Qualitativ hochwertige Rohstoffe sind für die Produktion torffreier Blumenerden nötig. Die meisten dieser Stoffe sind im Allgäu erhältlich. Werden regionale Rohstoffe für die Substrate verwendet, profitieren Unternehmen im Allgäu und die Kaufkraft bleibt automatisch in der Region.
Die Kampagne zur torffreien Blumenerde wird im Rahmen des Bundesprojekts „chance.natur“ – Teilbereich Ländliche Entwicklung – mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.moorallianz.de.

Details

Datum: 17.08.12