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Landratsamt Oberallgäu

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Discolärm

Beschränkung des Innenraumpegels in Musiklokalen zum Schutz vor Gehörschäden

Bei Jugendlichen ist eine zunehmende Gehörschädigung festzustellen. Nach Schätzungen haben ca. 40% der Jugendlichen kein intaktes Gehör mehr. Dies führt zu einer Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen und als Nebenfolge auch zu einem volkswirtschaftlichen Schaden durch erhöhte Ausgaben im Gesundheitswesen.

Eine Ursache ist zu laute Musik in Discotheken und vergleichbaren Musiklokalen. Aufgrund von Mitteilungen und Beschwerden von Eltern und Verantwortlichen der Bundeswehr wurden im Landkreis Oberallgäu zwischen 1999 und 2005 in verschíedenen Diskotheken Schallpegelmessungen durchgeführt. Dabei wurden auf der Tanzfläche Mittelungspegel von 89 - 108 dB(A) und Maximalpegel bis über 126 dB(A) gemessen.

Ab einem Schallpegel von 85 dB(A) besteht eine Gehörgefährdung. Im Arbeitsschutz sind daher ab diesem Pegel persönliche Schutzvorkehrungen für die Beschäftigten erforderlich. Aus gesundheitlicher Sicht ist daher nach einhelliger Meinung eine Begrenzung des Musikpegels erforderlich. So forderten die Ärztekammer 1999, der Ärztetag 2000 sowie das Bundesgesundheitsamt und das Umweltbundesamt den Pegel bei Musikveranstaltungen auf 90 - 95 dB(A) zu begrenzen.

Die Anzahl der möglichen Betroffenen ist, ausgehend von ca. 3 Mio. Jugendlichen die jede Woche Discotheken besuchen, hoch . Dabei sind diese nicht in der Lage die Höhe der Schallpegel einzuschätzen. Nach den bisherigen Erfahrungen genügt Aufklärung allein nicht. Im Gegensatz zu Nachbarstaaten (Schweiz: 93 dB(A), Österreich: 93 dB(A), Italien: 95 dB(A)) fehlt in Deutschland bislang eine explizite gesetzliche Regelung. Entsprechende Überlegungen laufen jedoch bereits sowohl in verschiedenen Bundesländern, darunter Bayern, als auch im Bund.

Nach § 5 Abs.1 Gaststättengesetz können zum Schutz der Gäste Auflagen verhängt werden. Auch die Begrenzung des Musikpegels ist damit grundsätzlich möglich. In einem vergleichbarern Fall im Landkreis Weilheim -Schongau wurde die Festsetzung eines Pegels von 95 dB(A) vom Verwaltungsgericht München im März 2004 gerichtlich bestätigt

Im Landkreis Oberallgäu werden daher seit Mitte 2005 mit Unterstützung durch den Kreistag für alle neu zu genehmigenden Musiklokale und Diskotheken Auflagen zur Begrenzung des Musikpegel auf 95 dB(A) festgesetzt. Bestehende Lokale wurden schriftlich zur Einhaltung des Wertes aufgefordert. Für Einzelveranstaltungen wie Festzelte, Sommerfeste o.ä. sind die Gemeinden zuständig. Ihnen wurde ebenfalls eine Begrenzung des Musikpegels auf 95 dB(A) empfohlen.

Eine Begrenzung der Lautstärke müßte eigentlich auch im Eigeninteresse der Betreiber von Discotheken und Veranstalter von Festen aufgrund der Haftung für mögliche Gehörschäden liegen. Wurden in mehreren zivilgerichtlichen Urteilen der letzten Jahre doch Veranstalter zu Schadensersatzzahlungen für Gehörschäden durch zu laute Musik verurteilt.

Ihre Ansprechpartner

Stefan Bechter
Sachgebietsleiter