Bauen & Umwelt

Landratsamt Oberallgäu

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Allgemeines

Der Landkreis Oberallgäu ist durch seine historisch gewachsene Siedlungsstruktur geprägt. Die rd. 150.000 Einwohner leben in ca. 980 Wohnplätzen (Städte, Weiler, Einöden etc.), von denen über 700 Wohnplätze weniger als 50 Einwohner zählen. Dies führt dazu, dass z. Zt. etwa das Abwasser von 16.000 Einwohnern bzw. ca. 12 % des Abwassers im Landkreis dezentral über Kleinkläranlagen gereinigt werden muss.

Der Anschlussgrad an eine zentrale Abwasserbeseitungsanlage ist zwischen den einzelnen Kommunen - bedingt durch die jeweilige Siedlungsstruktur und Topographie - sehr unterschiedlich und schwankt zwischen einem Anschlussgrad von 60 % bis zu fast 100 % bei einigen Gemeinden.

Fragen der richtigen Abwasserentsorgung sind v.a. bei Einzelanwesen immer wieder ein Thema. Die Bedeutung ist schon daran erkennbar, dass z. Zt. ca. 70 % der organischen Reststoffe in Fließgewässern aus Kleinkläranlagen stammen. 1995 wurde mit der Überprüfung der Abwassersituation begonnen. Da man zum Einen auf plausible Angaben der Kommunen angewiesen ist und zum Anderen auch der Vollzug und die Umsetzung parallel laufen, ist dies eine sehr langatmige Geschichte. Seit Ende 2010 ist die flächendeckende Überprüfung der Abwasserbeseitingung nahezu abgeschlossen.

Kleinkläranlagen als Dauerlösung bestehen grundsätzlich aus einer Vorbehandlungs- bzw. mechanischen Stufe und einer biologischen Nachreinigung. Das Überwasser ist primär in ein oberirdisches Fließgewässer einzuleiten. Bei einer Mehrkammer-Absetzgrube, bemessen mit einem Nutzvolumen von 500 l/Einwohner, Mindestgröße 3 m³, wird das Rohabwasser von groben Schwimm- und Sinkstoffen befreit, bei einer Mehrkammer-Ausfaulgrube, Bemessen mit einem Nutzvolumen von 1500 l/Einwohner, Mindestgröße 6 m³, werden zusätzlich noch ca. 30 % der organischen Schmutzstoffe abgebaut.

Die auf dem Markt angebotenen Kleinkläranlagen mit biologischer Reinigungsstufe sind ausreichend leistungsfähig, so dass von verfahrenstechnischer Seite kein Vorbehalt besteht. Für die zukünftigen Betreiber einer Kleinkläranlage ist wichtig zu wissen, dass serienmässig hergestellt Anlagen ein Ü-Zeichen bzw. eine Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik in Berlin (DIBT) benötigen.

In jedem Fall sollte ein Kostenvergleich zwischen zentralen und dezentralen Lösungen durchgeführt werden.

  • Einzubeziehen sind alle jeweils zugehörigen baulichen und betrieblichen Maßnahmen und kostenwirksamen Positionen ohne den Ansatz von Zuwendungen, jedoch evtl. mit Eigenleistungen.
  • für beide Lösungen sind gleiche bzw. gleichwertige Kostenansätze und Nutzungszeiträume auf möglichst gleichwertigem Niveau ansetzen.
     

Verfahren ohne technische Belüftung

Mehrkammerausfaulgruben mit nachgeschaltetem Filterschacht

Bei Filterschächten findet die biologische Reinigung in einem mehrschichtigen, natürlich durchlüfteten Sandkörper statt. Filteraufbau und Körnung werden vom Hersteller der Anlage vorgegeben. Die Abwasserbeschickung und stoßweise Verteilung im Filterschacht wird durch besondere Verteilereinrichtungen (Rinnen, Kippen) sichergestellt. Zur ordnungsgemäßen Funktion bedürfen die Verteilereinrichtungen einer häufigen Kontrolle und Reinigung. Bereits bei der Planung sollte darauf geachtet werden, dass ca. alle 8-12 Jahre ein Filteraustausch notwendig wird. 

Verfahren mit technischen Einrichtungen

Die DIN 4261 Teil 2 beschreibt hier 3 Verfahren: Mehrkammerabsetzgruben mit nachgeschalteten Tauchkörper-, Tropfkörper- und Belebungsanlagen. Neuerdings kommen auch SBR Verfahren und Membranfiltration zum Einsatz. Die SBR–Anlage (Sequencing-Batch-Reaktor) arbeitet nach dem Aufstau-, nicht nach dem Durchflussverfahren, d.h. das Belüftungsbecken ist gleichzeitig das Nachklärbecken. Zu beachten ist, dass hier ein Speicherbehälter einzuplanen ist, da die Anlage bei Klarwasserabzug z. B. in der Nacht keine Belastungen verträgt. Ein neues Verfahren mit Zukunft stellt die Membranfiltration dar: hier findet u.a. eine Keimreduzierung im Abwasser statt.

Naturnahe Anlagen

Sie zeichnen sich durch geringen Energieverbrauch aus und benötigen relativ viel Betriebsfläche auf ausreichend großen Grundstücken. Bei beiden Anlagentypen, Abwasserteich und Pflanzbeet genügt es, eine Mehrkammerabsetzgrube vorzuschalten.

Abwasserteich
Die erforderliche Wasserfläche muss wenigstens 10 m² je Einwohner betragen; eine Teichanlage muss eine Mindestgröße von 100 m² und eine Tiefe von etwa 1,2 m aufweisen. Grundsätze für Bemessung, Bau und Betrieb von Abwasserteichen sind im ATV Arbeitblatt A 201 enthalten.

Pflanzbeet
Entsprechend der Art ihrer Beschickung wird zwischen Horizontal- und Vertikalbeete unterschieden. In Bayern kommen hauptsächlich horizontal durchströmte Pflanzbeete zum Einsatz. Die wichtigsten Bemessungsgrößen sind die spezifische Fläche (m²/Einwohner) die >5 m²/EW, die Mindestfläche eine Beetes die >20 m², sowie die Mindestdicke des Bodenmaterials die >50 cm sein muss. Weitere Grundsätze zu Bemessung, Bau und Betrieb von Pflanzenkläranlagen sind u.a dem ATV Arbeitsblatt A 262 zu entnehmen.

Alpen und wenig genutzte Anwesen

Für touristische genutzte Anlagen sowie Berghütten im alpinen Bereich gilt: Grundsätzlich sind Einzelfallbetrachtungen notwendig!
Die Abwassermenge und -qualität unterscheidet sich ganz wesentlich von üblichem Schmutzwasser. Auf diese Eigenheiten muss nicht nur beim Bau, sondern vor allem beim Betrieb Rücksicht genommen werden. Zu beachten ist beispielsweise, dass die Abwassermenge je Einwohnerwert (EW) viel niedriger ist und die geringe Abwassermenge je EW ein stark konzentriertes Abwasser erzeugt. Das Abwasser setzt sich überwiegend aus zwei sehr unterschiedlichen Komponenten zusammen; Küchenabwasser mit viel Fett und Geschirrspülmittel sowie konzentriertes WC- Abwasser mit viel Ammonium und Fäkalien.
Bei bestehenden Objekten ist eine Messung und Untersuchung des anfallenden Abwassers unbedingt zu empfehlen (Wasserzähler etc.). Stehen solche Messungen nicht zur Verfügung, muss mit Erfahrungswerten gerechnet werden, die der einschlägigen Literatur zu entnehmen sind.

Bei saisonbedingt (Sommer, Winter, Wochenende) wenig genutzten Objekten, wie kleineren Alphütten, Wochenendhäusern etc. sind möglichst robuste und einfache Alternativverfahren anzuwenden. Eine Möglichkeit stellt die Tiroler Filtersack-Kläranlage.
Weitere Rückfragen sind an die fachkundige Stelle am Landratsamt zu richten, Email: Wasserrecht@lra-oa.bayern.de

Kosten

Die Bau- und Betriebskosten einer ordnungsgemäßen privaten Abwasserentsorgung werden fast immer unterschätzt. Insbesondere die Betriebskosten liegen in aller Regel über denen einer zentralen öffentlichen Entsorgung.
Auf Grund von Unterschieden bei Bodenverhältnissen, Systemen, Ausführungsqualität und Wartungsaufwand sind große Schwankungen einzukalkulieren.
Die vom Betreiber tatsächlich aufzubringenden Jahreskosten (Betriebs-, Wartungs-, und Überwachungskosten sowie Anlagenabschreibung) können bei einem 4 Personenhaushalt über 1000 € pro Jahr betragen oder umgerechnet einen Abwasserpreis von bis zu 8 €/m³ bedeuten.

Kanalanschluss Ja oder Nein

Jede Kommune hat es im Rahmen ihrer Entwässerungssatzung selbst in der Hand in wieweit sie einen Anschluss- und Benutzungszwang an die örtliche Kanalisation festlegt. Vorallem die Notwendigkeit einer ordnungsgemäßen Entsorgung im Außenberich (z. B bei kleinen Weiler oder Einöden) in Form einer dezentralen Lösung oder einer zentralen Erschließung sollte im Vorfeld gründlich untersucht werden.

Im Zusammenhang mit der Entscheidung "FÜR oder WIDER" dezentrale Entwässerungskonzepte (z. B. Kleinkläranlagen) müssen auch alternative Lösungen untersucht bzw. angeboten werden um „das wirtschaftlichste“ Konzept zu finden. Auf Grund topographischer bzw. örtlichen Vorgaben kommt insbeondere die Druckentwässerung in Betracht:
Ein Verfahren, mit dem hohe Investitionskosten langer Kanäle mit geringer Anschlussdichte gesenkt werden können. Dabei wird lediglich Schmutzwasser mittels Pumpe und Transportleitung über eine längere Entfernung zu einer öffentlichen Kanalisation oder zu einer Abwasserreinigungsanlage gefördert. Bei gößeren Lösung ist ein gemeinsames Abwasserpumpwerk für mehrere Anwesen möglich.
In einigen Gemeinden des Landkreises Oberallgäu, Lindau und Ravensburg liegen hierzu z.T. langjährige Erfahrungen vor. Insbesondere zur Trägerschaft bei Bau und Unterhalt sowie zur Finanzierung gibt es die unterschiedlichsten Modelle.
Die ersten Rückfragen sind generell an die jeweils zuständige Gemeinde zu richten.
Für weitere fachliche Information stehen im Landkreis beratend das Wasserwirtschaftsamt Kempten (auch evtl. in Fragen der Finanzierung) sowie fachkundige Ingenieurbüros zur Verfügung.

Förderung von Kleinkläranlagen

Seit Bekanntmachung der Richtlinien für Zuwendungen zu Kleinkläranlagen (RZKKA) vom 23.04.2003 wird der Bau oder die Nachrüstung von Kleinkläranlagen (KKA) mit biologischer Reinigungsstufe staatlich gefördert. Die RZKKA wurden seitdem dreimal fortgeschrieben, mit Bekanntmachungen vom 14.06.2005, 18.10.2006 und 22.12.2010. Die RZKKA 2010 vom 22.12.2010 sind seit 01.01.2011 in Kraft und sind befristet bis 31.12.2014. Eine Verlängerung der Förderrichtlinie über 2014 hinaus wird ausgeschlossen. 

Grundlage für die Förderung sind die Richtlinien für Zuwendungen zu Kleinkläranlagen (pdf- Format) vom 22.12.2010. Der Richtlinientext samt Formularen und einem Info Faltblatt ist auch unter RZKKA -Online abrufbar.

Bei Fragen zum Ablauf des Förderverfahrens ist die jeweilige Gemeinde, dann das Wasserwitschaftsamt Kempten und bei rechtlichen Fragen das Landratsamt Anprechpartner!

Ihre Ansprechpartner

Details

Datum: 18.01.11

Christian Schiebel
Sachgebietsleiter