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Riesen-Bärenklau (syn. Herkulesstaude oder Herkuleskraut)

Herkunft und Verbreitung

Der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude oder Herkuleskraut genannt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Kaukasus als Zierpflanze eingeführt. Die Verbreitung erfolgt über Samen, die zwar nur eine geringe Flugfähigkeit besitzen, aber schwimmfähig sind, so dass sie über Fließgewässer weit verbreitet werden können. Jede Pflanze produziert bis zu 10.000 neue Samen. Die Pflanze stirbt nach der Samenreife im Alter von 2 – 3 Jahren ab, die Samen bleiben jedoch über mehrere Jahre hinweg keimfähig und verbleiben mitunter in mehrjähriger Keimruhe. Die Pflanze ist in Europa und Nordamerika ein etablierter Neophyt.

Gesundheitliche Auswirkungen

Beim Umgang mit dem Riesen-Bärenklau ist allergrößte Vorsicht geboten. In der gesamten Pflanze und auch im Wurzelsystem werden photosensibilisierende Substanzen namens Furanocumarine (u.a. Xanthotoxin, Psoralen, Bergapten) gebildet, die nach Hautkontakt bei anschließender Bestrahlung durch Sonnenlicht phototoxische Reaktionen hervorrufen, die sich in Rötungen, Hautentzündungen, Reizungen und in schlimmen Fällen in einer Wiesendermatitis mit entzündlichen, schmerzhaften Blasenbildungen äußern können. Diese können großflächig sein und Verbrennungen ersten bis zweiten Grades entsprechen. Die Hautreizungen beziehungsweise Blasen können wochenlang nässende Wunden verursachen und mit anhaltenden Pigmentveränderungen einhergehen. Auch Fieber, Schweißausbrüche und Kreislaufschocks können die Folge des Umgangs mit der Pflanze sein. Bei empfindlichen Menschen genügt bereits ein einfacher Kontakt mit der Oberfläche der Blätter. Unter Umständen können Reaktionen auch wenige Tage nach dem Kontakt noch durch dann auf die betroffene Haut einstrahlendes Sonnenlicht ausgelöst werden.

An heißen Tagen werden zudem die Furanocumarine von der Pflanze an die Umgebung abgegeben. Dadurch kann es bereits bei einem längeren Aufenthalt unmittelbar neben den Pflanzen zu den oben beschriebenen Erscheinungen oder auch zu Atemnot kommen. Ausgasende Furanocumarine können eine (bis zu drei Wochen anhaltende) akute Bronchitis verursachen.

Auch andere, kleinere Bärenklau-Arten, wie der in Deutschland heimische und häufige Wiesen-Bärenklau oder der Berg-Bärenklau, können eine Photodermatitis auslösen. Häufig finden sich zahlreiche Pflanzen auch auf Wegrändern und begrünten Verkehrsinseln, so dass auch hier eine akute Gefahr der Berührung besteht. Die Giftigkeit des Riesen-Bärenklaus ist im Vergleich zu diesen Pflanzen jedoch deutlich höher. Giftfrei sind die Stängel des Riesen-Bärenklaus erst dann, wenn sie vollständig abgestorben sind und nur noch das weiße Zellskelett steht.

Nach Kontakt mit Teilen der Pflanze kann es hilfreich sein, schattige Orte aufzusuchen und die betroffenen Kontaktstellen mit Wasser und Seife zu reinigen. Das Gesundheitsamt empfiehlt, nach jedem Hautkontakt mit der Pflanze einen Arzt aufzusuchen.

Besondere Gefährdung von Kindern

Problematisch ist beim Riesen-Bärenklau insbesondere, dass Kinder versucht sind, mit diesen auffälligen und attraktiven Pflanzen zu spielen. Wie verführerisch die Pflanzen als Spielzeug sind, zeigen einige Vergiftungsfälle, bei denen Kinder anschließend stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Kinder hatten zuvor die Stängel als Schwerter in Ritterspielen verwendet, sie als Blasrohr benutzt oder sich zwischen den Blättern versteckt. Pflanzen, die an Standorten wachsen, an denen sich Kinder aufhalten, sollten daher in jedem Fall entfernt werden. Die Kinder sollten über die Gefährlichkeit der Pflanze aufgeklärt werden. Die Kommunen sollten die Pflanze auf öffentlichen Flächen beseitigen.

Vorsichtsmaßnahmen und Hinweise bei der Beseitigung

Zur Beseitigung – selbst in kleinem Rahmen – sind Schutzkleidung, Schutzbrille und ggf. Atemschutz erforderlich. Die örtliche Naturschutzbehörde erteilt Rat und sorgt für die Beseitigung auf öffentlichen Flächen.

Die Schutzbrille ist stets zu tragen, weil der Augenkontakt mit Pflanzenteilen zum Erblinden führen kann. Sofort mit Wasser ausspülen!

Bei Arbeiten mit dem Rasentrimmer oder beim Abhacken der Pflanze kann der Pflanzensaft durch die Kleidung hindurch dringen und dann ebenfalls die o.a. unerwünschten Wirkungen hervorrufen.

Da die Pflanze durch Schnittmaßnahmen ruhende Knospen im oberen Teil der Wurzel bildet, hilft nur das Ausgraben bzw. Abstechen der Wurzel 15 cm unter der Oberfläche. Die zahlreichen neuen Keimpflanzen – mit rundlichen, ganzrandigen Blättern – müssen in den nächsten Jahren möglichst noch im Mai beseitigt werden. Bei größeren Beständen kann mehrjähriges Fräsen des Bodens helfen. Das Abschlagen der entwickelten Blütendolde im Juni/Juli vor der Fruchtbildung vermeidet zumindest die weitere Ausbreitung. Insbesondere Fruchtkörper dürfen nicht in den Kompost gelangen und gehören in den Restmüll oder sollten verbrannt werden.

Dr. Alfred Glocker
Leiter Gesundheitsamt Leitender Medizinaldirektor