Rühren, backen, schnipseln, kneten: In den kommenden Wochen geht das Schulgesundheitsprojekt „Allgäuer Kinder – gesund und fit“ in eine neue Runde. Zum Auftakt bekommen die Oberallgäuer Grundschulen demnächst Post vom Landratsamt, wo die Projektleitung angesiedelt ist.
In dem durch das EU-Programm "LEADER" geförderten Projekt geht es um nachhaltige Förderung gesunden Essverhaltens, bewusste Tagesgestaltung sowie intensive Sinnesschulung der Klassen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Die Allgäuer Kinder aus den Grundschulen Rieden, Martinszell, Wiggensbach, Altusried, Oberstaufen und Burgberg waren im vergangenen Jahr mit großem Engagement dabei. Auf dem Programm stehen nicht nur bekannte Themen wie gesundes Frühstück und Obst und Gemüse, sondern auch Lebensmittel aus der Region, Herstellung von Kräutersalzen zum Essen und Baden, selbstzubereitete Kräuterbowlen, ein Riechmemory von Kräutern, Gewürzen und Aromen, ein Hör-Parcour, eine Früchtefühlkiste, Entspannungstechniken, Aromatherapie und Bewegung, vor allem die der Füße. Der Besuch auf einer Sennalpe und Einkaufen „Von hier“ ergänzen die Vormittage.
"Wir können die Art, wie wir essen, nicht trennen von der Art, wie wir leben", so Ulrike Klaas, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin und Hochschuldozentin. "Übergewicht ist mitnichten nur eine Folge (vermeintlich) falschen Essens, sondern der gestörten oder vielmehr fehlenden Wahrnehmung des eigenen Körpers, von zuwenig Schlaf und zu hohem Computer- und Fernsehkonsum. Durchschnittlich sitzt jedes Kind knapp vier Stunden täglich vor einem Bildschirm - für den Körper ist das Nichtstun, für das Gehirn Stress". Es reiche daher nicht, mit dem Rettich in der Hand zu winken oder einen probiotischen Joghurt zu essen: "Mit dieser Art des Ablasshandels kommen wir nicht weiter".
Deswegen baut das Projekt „Allgäuer Kinder“ auf Sinnesschulung und Körperwahrnehmung – denn neben dem steigenden Übergewicht stellen die erschreckend steigenden Zahlen psychischer Essstörungen ein großes Problem dar: „Über 40 Prozent aller zehnjährigen Mädchen wären gerne dünner, und fast 90 Prozent aller Buben und Mädchen haben Angst davor, dick zu werden“ (Quelle: Klaas; 12 Ober- und Unterallgäuer Schulen 2006).
Umgesetzt wird das Projekt von Landfrauen an den Schulen sowie von Hauswirtschafterinnen in der Kochwerkstatt des Kempodiums. Sie alle werden für das Projekt geschult. Die Nachhaltigkeit sichern außerdem ein Elternabend sowie eine vorausgehende Fortbildung für die Lehrerinnen und Lehrer.
Das Projekt stellt Ansprüche an alle Beteiligten: Es handelt sich um ein Baukastensystem, und die Bausteine werden dem Unterrichtstand, den Möglichkeiten der Schule, der Jahreszeit und den Vorlieben der Kinder entsprechend ausgesucht. „Alle müssen mitmachen, auch die Lehrer“, so Klaas, denn idealerweise sollen Inhalte oder ganze Bausteine auch nach Abschluss des Projektes in die Umsetzung des Lehrplans integriert werden. „Wir halten nichts von Projekten mit Eventcharakter, das sieht immer gut aus und bewirkt letztendlich nichts“.
Hinter der Aktion steckt nicht nur das Landratsamt, sondern auch Ernährungswissenschaftlerin Klaas, die Landfrauen unter Leitung von Kreisbäuerin und Schirmherrin Ulrike Müller MdL sowie das Kempodium. Auch das Schulamt Oberallgäu-Lindau-Kempten, das Oberallgäuer Gesundheitsamt sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten stehen dahinter.
Nach drei tagen Schulgesundheit gibt es für die teilnehmenden Klassen ein Zertifikat, ebenso ist die Fortbildung vom Schulamt anerkannt. Die Kinder interessiert die Urkunde weniger: „Das leckerste ist das Kräutersalz – das mörser' ich jetzt immer selbst!“
Interessierte Schulen können sich melden im Landratsamt bei
Ilona Authried, Gleichstellungsbeauftragte
Tel. 08321/ 612 234 oder
ilona.authried@lra-oa.bayern.de



