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Gesetzgeber fordert besonderen Schutz für den Vereinsnachwuchs

Wer ehrenamtlich mit Jugendarbeit zu tun hat, muss ab sofort ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen

Knapp ein Fünftel aller Einwohner im Landkreis Oberallgäu sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Sie gilt es besonders zu schützen, sagt der Gesetzgeber. Und zwar auch dort, wo ehrenamtliche Jugendarbeit geleistet wird: in den Vereinen. Aus diesem Grund fordert das Bundeskinderschutzgesetz  aktuell von allen, die minderjährige Schützlinge  betreuen, ein sogenanntes erweitertes Führungszeugnis. Im Oberallgäu sind davon rund 600 Vereine betroffen.

Kein Generalverdacht

„Dabei geht es keineswegs um einen Generalverdacht gegen Menschen, deren Engagement für die Kinder und Jugendlichen grundsätzlich gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann“, sagt Brigitte Fink vom Kreisjugendamt. Anliegen des Gesetzgebers sei es vielmehr, dem Schutzbedürfnis jener Kindern und Jugendlicher Rechnung zu tragen, die außerhalb der Familie ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Dritten aufbauen. Brigitte Fink: „Wenn dadurch auch nur ein Vorfall verhindert werden kann, dann hat sich der Aufwand bereits gelohnt.“

Im Unterschied zum einfachen Führungszeugnis seien in der erweiterten Bescheinigung unter anderem auch Verurteilungen von Sexualstraftaten im untersten Strafbereich  ersichtlich. Letztlich gehe es darum, betreffende Personen generell aus der Jugendarbeit auszuschließen.

Dokument für Antragsteller kostenlos

Ob Sportverein, Feuerwehr oder Musikkapelle: Für die Vorsitzenden heißt es jetzt, aktiv zu werden und - nachdem sie eine Vereinbarung mit dem Kreisjugendamt geschlossen haben - die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder zum Gang auf die Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung anzuhalten. Dort könnten die Betreffenden das erweiterte Führungszeugnis kostenfrei beantragen. „Wir raten in unseren Informationsveranstaltungen  dazu, dieses von allen einzuholen, damit sich nicht einzelne Vereinsmitglieder unter einen Generalverdacht gestellt fühlen“, betont Fink. Nach Erhalt des Papiers genüge es, wenn der Vereinsvorsitzende  Einsicht in das Führungszeugnis nimmt.  Dies könne auch über einen Mitarbeiter der Stadt- oder Gemeindeverwaltung erfolgen, der dann eine Negativbescheinigung unterschreibt. 
 
Strenger Datenschutz

Anschließend kann der Antragsteller das Dokument bei sich zu Hause verwahren. „Es gilt ein strenger Datenschutz. Niemand, außer dem Betreffenden selbst, darf das erweiterte Führungszeugnis kopieren oder ablegen“, unterstreicht Fink. Was passiert, wenn ein Vereinschef die Vereinbarungen mit dem Kreisjugendamt  nicht unterschrieben hat und es  später zu einem Vorfall im betreffenden Verein kommt? „Der Vorsitzende trägt das Auswahlrisiko für alle seine Mitarbeiter“, so Brigitte Fink, „sollte er die Vereinbarung nicht unterschrieben haben, wird der Fall geprüft und er wird sicherlich mit dem Vorwurf der Verletzung der Fürsorge- und Sorgfaltspflicht konfrontiert werden.“

 

Jugendschutz durch Führungszeugnis

Seit 01.01.2012 ist ein neues Bundeskinderschutzgesetz mit dem § 72a des Sozialgesetzbuches VIII (SGB VIII) in Kraft getreten. Die Vorschrift verfolgt das Ziel, einschlägig vorbestrafte Personen von der Aufgabenwahrnehmung innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe, darunter fällt auch die Jugendarbeit in Vereinen, fernzuhalten bzw. auszuschließen. Ziel des Bundeskinderschutzgesetzes ist eine Verbesserung des Schutzes von betreuten Kindern und Jugendlichen vor Gewalt.

Nach § 72a SGB VIII müssen daher auch Ehrenamtliche, die Kinder und Jugendliche beaufsichtigen, betreuen, erziehen, ausbilden oder einen vergleichbaren Kontakt haben, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Zur Sicherstellung des Schutzauftrages hat das Kreisjugendamt Oberallgäu mit allen Anbietern innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit entsprechende Vereinbarungen abzuschließen.

 

Im Folgenden finden Sie die Arbeitshilfe zur Umsetzung des § 72a SGB VIII, sowie die Formblätter zum Herunterladen:

Infobroschüre zur Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes im Landkreis Oberallgäu

Formblatt: Bestätigung zur Vorlage für die Beantragung eines erweiterten Führungszeugnisses

Formblatt: Ehrenkodex für alle haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Formblatt: Einverständniserklärung zur Datenspeicherung

Formblatt: Negativbescheinigung

Formblatt: Wiedervorlageliste