Bauen & Umwelt

Landratsamt Oberallgäu

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Wolf im Oberallgäu unterwegs?

Oberallgäu, 8. August 2018. Gerissene Kälber verursachen seit einigen Wochen große Unruhe unter Landwirten und Älplern im Oberallgäu. Als Verursacher wird der Wolf vermutet. Die Bilder der verendeten Kälber gleichen sich, eine zweifelsfreie Bestätigung fehlt jedoch bisher. Nachdem in der vergangenen Woche in Wertach nur wenige hundert Meter vom Ort entfernt innerhalb von zwei Tagen zwei gerissene und ausgeweidete Kälber aufgefunden wurden, hat sich Landrat Klotz kurzfristig mit Vertretern der Land- und Alpwirtschaft getroffen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Einhelliger Tenor war, dass die bislang vorgenommene Erstdokumentation vor Ort und der Zweitdokumentation in der Tierkörperbeseitigungsanstalt für einen eindeutigen Wolfsnachweis nicht ausreichend sind. Eine weitergehende Untersuchung der entnommenen Proben auf DNA-Spuren sei unverzichtbar, um Klarheit zu schaffen. Ergebnisse von den früheren Proben fehlen. Ergebnisse aus den Proben von letzter Woche seien dem Landesamt für Umwelt (LfU) zufolge frühestens Ende dieser Woche zu erwarten.

Landrat Anton Klotz bekräftigte seine bereits öffentlich geäußerte Forderung, dass in der Region zum Schutz der Nutztiere ein Abschuss von Wölfen zeitnah ermöglicht werden müsse. Präventive Maßnahmen wie die Errichtung von Zäunen oder den Einsatz von Herdenschutzhunden sei vor allem auf den etwa 600 Alpen in den Allgäuer Alpen mit rund 30.000 Rinder nicht machbar. Mittelfristig müsse die Region im Managementplan für die großen Beutegreifer in die Gebietskulisse „Wolf“ aufgenommen werden, um entsprechende Maßnahmen treffen zu können.

Dass es trotz mehrfacher Hinweise auf mögliche Wolfsichtungen und dem Auffinden gerissener Nutztiere im Oberallgäu bisher keinen gesicherten Nachweis eines Wolfes gibt, hat die betroffenen Landwirte auch finanzielle Folgen. Denn ohne einen solchen Nachweis können sie auch nicht mit einer Entschädigungszahlung rechnen.

Was ist zu tun, wenn?

  • Rissfunde an Nutztieren und Schalenwild sind unverzüglich zu melden.
  • Der Riss ist unverändert zu belassen, nichts berühren!
  • Hunde und Nutztiere vom Riss fern halten!
  • Zuverlässige Beobachtungen wenn möglich fotografisch festhalten.

 

Wolf ja oder nein - Was tun bei einer Sichtung?

Der Wolf ist von Natur aus vorsichtig und weicht dem Menschen aus. Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland hat es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben.

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück. Falls doch eine Begegnung stattfinden sollte, beachten Sie bitte folgende Regeln:

  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Falls Sie einen Hund dabei haben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
  • Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.
  • Laufen Sie dem Wolf nicht hinterher.
  • Füttern Sie niemals Wölfe – die Tiere lernen sonst sehr schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell aktiv die Nähe von Menschen.

Wen informiere ich bei einem Wolfsverdacht?

Bei einem Wolfsverdacht wenden Sie sich unverzüglich an das Landratsamt, die landwirtschaftliche Fachberatung in den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, an das Bayerische Landesamt für Umwelt oder an die Polizei. Diese informieren ein Mitglied des „Netzwerks Große Beutegreifer“. Alle Hinweise werden fachlich geprüft und ausgewertet.

Wer untersucht einen Wolfsverdacht?

Für die Untersuchung von Hinweisen und die Dokumentation von Rissen sind kundige Personen vor Ort gezielt geschult worden. Sie sind Mitglieder des „Netzwerks Große Beutegreifer“ und fungieren als Ansprechpartner vor Ort.

Ausführliche Informationen (Flyer und Broschüren) zum Vorgehen bei möglichen Nutztierrissen finden Sie außerdem unter:
http://www.lfl.bayern.de/publikationen/merkblaetter/d_37807
http://www.lfl.bayern.de/publikationen/informationen/d_37806

Merkblatt und Kontaktdaten - Netzwerk "Große Beutegreifer" (Oberallgäu)

Beobachtetes Tier bei Rettenberg kein Wolf

Oberallgäu. Im März 2018 soll im Bereich Rettenberg möglicherweise ein Wolf unterwegs gewesen sein. Von dem beobachteten Tier gibt es ein Video und und auch Fotoaufnahmen. Diese Aufnahmen wurden on den Experten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) ausgewertet.

Die Überprüfung des Bildmaterials durch die DBBW hatte damals ergeben, dass es sich bei dem Video nicht um einen Wolf handelt. Schwanzform, Färbung und Bewegungsverhalten weichen deutlich von Kriterien für eine Identifizierung eines Wolfes ab.
Bei den vorliegenden Fotos bewertete das DBBW die Qualität der Aufnahmen als nicht ausreichend für einen eindeutigen Nachweis eines Wolfes.

 

Christian Schiebel
Sachgebietsleiter