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Wolfnachweis im Landkreis Oberallgäu

Bei toten Schafen bei Immenstadt besteht der Verdacht auf Wolf / Neuer Wolf-Nachweis beim Siplinger Kopf (Blaichach)

30. August 2018. Am 27. August 2018 wurden bei Immenstadt drei Schafe tot aufgefunden und den Behörden gemeldet. Experten waren umgehend vor Ort, haben den Vorfall dokumentiert und genetische Proben genommen. Die Tiere wurden anschließend für eine veterinärmedizinische Untersuchung abgeholt, deren Ergebnisse nun vorliegen: Die Spuren deuten auf einen großen Kaniden als Verursacher, was den Wolfsverdacht erhärtet. Weitere Erkenntnisse soll die Analyse der genetischen Spuren am nationalen Referenzlabor bringen.
Ein am 29.08.2018 im Internet veröffentlichtes Foto mit einem wolfartigen Tier wurde von Experten als Wolf identifiziert. Das Foto entstand nach Angaben im Internet bei einer Wanderung auf den Siplingerkopf, also im Gemeindegebiet Blaichach (Internet-Blog siehe https://www.gipfelbuch.ch/gipfelbuch/detail/id/97212/Alpine_Wanderung/Siplingerkopf).
Für das am 04.08.2018 bei Wertach gerissene Kalb konnte die genetische Detailuntersuchung keine weiteren Hinweise zu Geschlecht und Herkunft geben. Die nur bruchstückhaft erhaltenen genetischen Sequenzen wiesen eine Übereinstimmung mit den Genspuren auf, die am 27.07.2018 in Burgberg gesichert wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um dasselbe Tier handelt ist groß, kann jedoch nicht abschließend sicher beurteilt werden.
Am 26.08.2018 wurden bei Bad Hindelang vier abgestürzte Kälber aufgefunden. Auch hier wurde standardgemäß der Vorfall dokumentiert und eine veterinärmedizinische Untersuchung vorgenommen. An den Tieren wurden keine Verletzungen durch einen großen Beutegreifer vorgefunden.

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28. August 2018. Der an dem toten Kalb vom 27.07.2018 in Burgberg im Oberallgäu nachgewiesene Wolf ist ein männliches Tier aus der zentraleuropäischen Flachlandpopulation. Das ergab eine Detailuntersuchung des genetischen Materials. Zu dem Kalbsriss am 02.08.2018 in Wertach ergab die genetische Detailuntersuchung keine weiteren Erkenntnisse zu Geschlecht und Herkunft des Wolfs. Ob es sich dabei um dasselbe Tier wie in Burgberg handelt, lässt sich nicht abschließend klären. Detailergebnisse zum Wolf-Riss am 04.08.2018 in Wertach liegen noch nicht vor.
 

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23. August 2018. Nachdem in der vergangenen Woche DNA-Untersuchungen an zwei toten Kälbern vom 27.07. sowie vom 02.08.2018 einen Wolf als Verursacher ergeben haben, liegen nun auch Ergebnisse der genetischen Analysen der drei am 04.08. und 07.08.2018 in Wertach und Kranzegg im Landkreis Oberallgäu tot aufgefundenen Kälber vor. Das LfU hat die Untersuchung der an den Tieren entnommenen Speichelspuren am nationalen Referenzlabor in Auftrag gegeben. Bei dem in Wertach aufgefundenen Kalb wurde ein Wolf nachgewiesen, weitere Untersuchungen zu Geschlecht und Herkunft des Tieres dauern noch an. Bei einem der in Kranzegg aufgefundenen Kälber wurde genetisch ein Hund nachgewiesen, die beim zweiten Kalb entnommenen Proben waren genetisch nicht auswertbar. Somit wurden an drei der insgesamt fünf Ende Juli und Anfang August im Landkreis Oberallgäu aufgefundenen toten Kälber Wolfsspuren nachgewiesen

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21. August 2018. Im Rahmen eines weiteren Runden Tisches wurde die neue regionale Ansprechpartnerin für das Wolfsmanagement im Oberallgäu vorgestellt. Die damit beauftragte Mitarbeiterin des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) wird für die Anliegen der Landwirte und Verbände vor Ort zuständig und in der Region präsent sein (hierfür wird ihr im Landratsamt ein Büro zur Verfügung gestellt werden). Daneben hat das LfU die Ausgabe kostenfreier Herdenschutzzäune angeboten. Claus Kumutat, Präsident des LfU, betonte: "Wir nehmen das Thema sehr ernst und lassen die Menschen in der Region nicht allein. Wichtig ist, die Landwirte schnell und individuell zu unterstützen. Unsere neue Regionalbeauftragte wird für die Beteiligten vor Ort da sein und sich um die Fragen und Sorgen der Menschen zum Thema kümmern. Wir setzen auf eine enge Zusammenarbeit."

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16. August 2018. Ende Juli und Anfang August 2018 wurden im Landkreis Oberallgäu (Burgberg; Wertach) mehrere Kälber tot aufgefunden. Zur weiteren Abklärung beauftragte das Landesamt für Umwelt (LfU) die genetische Analyse gesicherter Speichelspuren am nationalen Referenzlabor. Die nun vorliegenden Untersuchungsergebnisse dieser Fälle bestätigen einen Wolf. Derzeit laufende Analysen sollen weitere Erkenntnisse zu Geschlecht und Herkunft liefern.

Behörden, Interessenverbände und Vertreter von Nutztierhaltern werden informiert. Im Fall eines Wolfsrisses erhält der Nutztierhalter eine Entschädigung durch den Ausgleichsfonds Große Beutegreifer. Die Auszahlung der entsprechenden Entschädigungssumme wird vorbereitet. Claus Kumutat, Präsident des LfU: „Wir nehmen die aktuelle Situation sehr ernst. Die betroffenen Landwirte vor Ort werden zügig und unbürokratisch entschädigt. Außerdem werden wir den Runden Tisch vor Ort erneut einberufen, um gemeinsam über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Dabei werden wir klären, wie wir die Landwirte in der Region schnell unterstützen können. Die Landwirte werden dazu einen festen Ansprechpartner zur Verfügung gestellt bekommen.“ Bereits am 14.8.2018 hat das LfU gemeinsam mit der Landwirtschaftsverwaltung und dem zuständigen Landratsamt einen Runden Tisch durchgeführt.

Derzeit ist nicht geklärt, ob sich der Wolf weiterhin in der Region aufhält oder bereits weitergezogen ist. Auf der Suche nach einem eigenen Territorium können sie täglich 50 bis 70 km oder mehr und insgesamt sehr weite Strecken zurücklegen.

 

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Bayerischer Aktionsplan Wolf

Die Staatsregierung hat inzwischen den Entwurf des Bayerischen Aktionsplans Wolf an die Verbände übermittelt. Als nächster Schritt wird der Entwurf des Aktionsplans Wolf in der Arbeitsgruppe Wildtiermanagement/Große Beutegreifer, der die Nutzer- und Umweltverbände angehören, beraten werden. Der Aktionsplan soll noch in diesem Jahr durch die Staatsregierung in Kraft gesetzt werden. Der Aktionsplan stellt klar, dass beim Umgang mit dem Wolf in Bayern zwei Dinge im Mittelpunkt stehen:

1. Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität.

2. Die Staatsregierung bekennt sich zur Weidetierhaltung in Bayern. Die Weidetierhaltung muss auch bei Wolfsanwesenheit ohne unzumutbare Mehraufwendungen flächendeckend und dauerhaft erhalten bleiben.

In Gebieten mit standorttreuen Wölfen setzt der Aktionsplan auf vorbeugende Maßnahmen wie beispielsweise Herdenschutzzäune. Ein Sonderfall sind unter anderem die Alm- und Alpflächen in Bayern: Experten der Umwelt- und Landwirtschaftsverwaltung werden gemeinsam entscheiden, in welchen Weidegebieten Präventionsmaßnahmen möglich sind oder nicht. Im letzteren Fall kommt eine Entnahme des Wolfs in Einklang mit dem Artenschutzrecht auch ohne vorangegangene Herdenschutzmaßnahmen in Betracht.

 

 

Häufig gestellte Fragen (FAQs)  fasst das LfU in seinem Internetangebot zusammen unter: https://www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/doc/faq_wolf.pdf

Weitere Informationen, insbesondere auch zu den Kriterien des standardisierten Monitorings und früheren Wolfsnachweisen in Bayern, finden sich im Internetangebot des LfU unter: https://www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/index.htm

 

 

Wolf im Oberallgäu unterwegs?

Oberallgäu, 8. August 2018. Gerissene Kälber verursachen seit einigen Wochen große Unruhe unter Landwirten und Älplern im Oberallgäu. Als Verursacher wird der Wolf vermutet. Die Bilder der verendeten Kälber gleichen sich, eine zweifelsfreie Bestätigung fehlt jedoch bisher. Nachdem in der vergangenen Woche in Wertach nur wenige hundert Meter vom Ort entfernt innerhalb von zwei Tagen zwei gerissene und ausgeweidete Kälber aufgefunden wurden, hat sich Landrat Klotz kurzfristig mit Vertretern der Land- und Alpwirtschaft getroffen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Einhelliger Tenor war, dass die bislang vorgenommene Erstdokumentation vor Ort und der Zweitdokumentation in der Tierkörperbeseitigungsanstalt für einen eindeutigen Wolfsnachweis nicht ausreichend sind. Eine weitergehende Untersuchung der entnommenen Proben auf DNA-Spuren sei unverzichtbar, um Klarheit zu schaffen. Ergebnisse von den früheren Proben fehlen. Ergebnisse aus den Proben von letzter Woche seien dem Landesamt für Umwelt (LfU) zufolge frühestens Ende dieser Woche zu erwarten.

Landrat Anton Klotz bekräftigte seine bereits öffentlich geäußerte Forderung, dass in der Region zum Schutz der Nutztiere ein Abschuss von Wölfen zeitnah ermöglicht werden müsse. Präventive Maßnahmen wie die Errichtung von Zäunen oder den Einsatz von Herdenschutzhunden sei vor allem auf den etwa 600 Alpen in den Allgäuer Alpen mit rund 30.000 Rinder nicht machbar. Mittelfristig müsse die Region im Managementplan für die großen Beutegreifer in die Gebietskulisse „Wolf“ aufgenommen werden, um entsprechende Maßnahmen treffen zu können.

Dass es trotz mehrfacher Hinweise auf mögliche Wolfsichtungen und dem Auffinden gerissener Nutztiere im Oberallgäu bisher keinen gesicherten Nachweis eines Wolfes gibt, hat die betroffenen Landwirte auch finanzielle Folgen. Denn ohne einen solchen Nachweis können sie auch nicht mit einer Entschädigungszahlung rechnen.

Was ist zu tun, wenn?

  • Rissfunde an Nutztieren und Schalenwild sind unverzüglich zu melden.
  • Der Riss ist unverändert zu belassen, nichts berühren!
  • Hunde und Nutztiere vom Riss fern halten!
  • Zuverlässige Beobachtungen wenn möglich fotografisch festhalten.

 

Wolf ja oder nein - Was tun bei einer Sichtung?

Der Wolf ist von Natur aus vorsichtig und weicht dem Menschen aus. Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland hat es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben.

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück. Falls doch eine Begegnung stattfinden sollte, beachten Sie bitte folgende Regeln:

  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Falls Sie einen Hund dabei haben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
  • Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.
  • Laufen Sie dem Wolf nicht hinterher.
  • Füttern Sie niemals Wölfe – die Tiere lernen sonst sehr schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell aktiv die Nähe von Menschen.

Wen informiere ich bei einem Wolfsverdacht?

Bei einem Wolfsverdacht wenden Sie sich unverzüglich an das Landratsamt, die landwirtschaftliche Fachberatung in den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, an das Bayerische Landesamt für Umwelt oder an die Polizei. Diese informieren ein Mitglied des „Netzwerks Große Beutegreifer“. Alle Hinweise werden fachlich geprüft und ausgewertet.

Wer untersucht einen Wolfsverdacht?

Für die Untersuchung von Hinweisen und die Dokumentation von Rissen sind kundige Personen vor Ort gezielt geschult worden. Sie sind Mitglieder des „Netzwerks Große Beutegreifer“ und fungieren als Ansprechpartner vor Ort.

Ausführliche Informationen (Flyer und Broschüren) zum Vorgehen bei möglichen Nutztierrissen finden Sie außerdem unter:
http://www.lfl.bayern.de/publikationen/merkblaetter/d_37807
http://www.lfl.bayern.de/publikationen/informationen/d_37806

Merkblatt und Kontaktdaten - Netzwerk "Große Beutegreifer" (Oberallgäu)

Christian Schiebel
Sachgebietsleiter