Gesundheit & Verbraucherschutz

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Bayerische Impfwoche 2018

Gesundheitsamt am Landratsamt wirbt fürs Impfen


Vom 23. bis 29. April 2018 findet die  5. Bayerische Impfwoche statt. Initiator ist erneut die Bayerische Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (LAGI). Neben dem Bayerischen Öffentlichen Gesundheitsdienst stehen auch Ärzteverbände, der Apothekenverband, der Hebammenverband, Kassen und viele weitere industrieunabhängige Akteure, denen eine fundierte Information der Bevölkerung zum Impfschutz ein Anliegen ist, für Auskünfte zur Verfügung.

Der bewusst gesetzte Schwerpunkt in diesem Jahr ist „Impfen rund um die junge Familie“. Gerade junge gesunde Erwachsene gehen selten zum Arzt und sind einer Impfberatung damit nur schwer zugänglich.


Das Gesundheitsamt am Landratsamt Oberallgäu bietet während der Impfwoche verstärkt Impfberatung an. Dr. Alfred Glocker, Leiter des Gesundheitsamtes: „Ich bitte die jungen Eltern, aber auch alle anderen, an Impfungen interessierten Bürgerinnen und Bürger, einfach das Amt anzurufen und sich fundiert, vorurteilsfrei und auf wissenschaftlicher Grundlage beraten zu lassen: 08321 612-520. Dieses Angebot besteht übrigens zu jeder Zeit. Wer geimpft ist, schützt sich und andere.“
 
Impfungen zählen zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen in der Medizin. Durch Impfungen sind viele in der Vergangenheit gefürchtete Infektionskrankheiten, wie Kinderlähmung oder Diphtherie, zurückgegangen. Die lebensgefährlichen Pocken konnten im Jahr 1980 durch konsequente weltweite Impfprogramme und kontinuierliche Überwachung sogar ausgerottet werden. In Deutschland und in Bayern sind die Durchimpfungsraten generell aber immer noch viel zu niedrig.
 
Ein geimpftes Lebensumfeld ist für Neugeborenen lebenswichtig. Diese Kokonstrategie schützt das Neugeborene weitgehend vor der Übertragung von Infektionen. Dessen Gesundheit können Infektionskrankheiten aber auch schon vor der Geburt bedrohen. Deswegen sind Impfungen vor, und im Falle der Grippeimpfung, während der Schwangerschaft wichtig. Der Nestschutz, d.h. die von der geimpften Mutter mitgegebenen impfinduzierten Antikörper stärken in den ersten Lebenswochen das Immunsystem des Säuglings.

Im Fokus der diesjährigen Bayerischen Impfwoche stehen daher folgende Lebensphasen und Zielgruppen:
 
1. Frauen mit Kinderwunsch
Bereits während der ersten drei Schwangerschaftsmonate können Infektionskrankheiten für den sich entwickelnden Embryo gefährlich sein. Mit hohem Schädigungsrisiko sind Rötelninfektionen der Mutter, Erkankungen an Windpocken und die Grippe verbunden. Eine rechtzeitige und vollständige Impfung, möglichst vor Eintritt in das Erwachsenenalter, sind bei Lebendimpfungen besonders wichtig, weil sie während der Schwangerschaft nicht mehr verabreicht werden dürfen. Lebendimpfstoffe, wie die gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken enthalten geringe Mengen vermehrungsfähiger Krankheitserreger, die jedoch so abgeschwächt wurden, dass sie die Er-krankung selbst nicht auslösen können.
 
Impfschutz für Frauen vor einer Schwangerschaft soll bestehen gegen
• Mumps,Masern, Röteln,
• Windpocken (bei Seronegativität, d.h. bei fehlenden schützenden Antikörpern),
• Keuchhusten, Diphtherie und ggf. Kinderlähmung (Poliomyelitis) in Kombination mit der Impfung gegen Tetanus (Auffrischungsimpfung alle 10 Jahre).
 
Dr. Glocker: „Ergänzend möchte ich auf die für alle 9 bis 14-jährigen Mädchen empfohlene Impfung gegen die Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) aufmerksam machen. Diese Impfung schützt gegen Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen und verhindert dadurch viele Jahrzehnte später Genitalkrebserkranklungen und erforderliche Operationen."
 
2. Schwangere
Für Schwangere wird die Impfung gegen Grippe (Influenza) in der Regel ab dem 4. Monat explizit empfohlen. Sie ist auch in der Schwangerschaft gut verträglich und schützt nicht nur die Frau selbst, sondern durch den dadurch entstehenden Nestschutz auch das Neugeborene vor Influenza. Die Grippe-Impfung wird ab dem 4. Monat, und bei Schwangeren mit Risiokoerkrankungen bereits vorher empfohlen.
 
3. Kontaktpersonen von Neugeborenen:
Ein geimpftes Umfeld ist für Neugeborene extrem wichtig. Kontaktpersonen, wie die Eltern, Geschwister, Großeltern, Freunde, Babysitter, Ärzte, Hebammen und medizinisches Personal sollten sinnvoller Weise Impfschutz haben gegen:
• Mumps,Masern, Röteln,
• Windpocken (bei Seronegativität, d.h. bei fehlenden schützenden Antikörpern),
• Keuchhusten, Diphtherie und ggf. Kinderlähmung (Poliomyelitis) in Kombination gegen Te-tanus (Auffrischungsimpfung alle 10 Jahre),
• Influenza (jährlich),
• Pneumokokken: Als Standard empfohlen für alle Senioren ab 60 Jahren sowie auch für Säuglinge,
• Geschwisterkinder sollten alle Standardimpfungen nach den STIKO-Empfehlungen zeitge-recht, d.h. zum frühestmöglichen Zeitpunkt erhalten.
 
Dr. Glocker: „Es ist für alle Menschen unter Umständen lebenswichtig, dass sie zum eigenen Schutz über sämtliche von der STIKO empfohlenen  Impfungen verfügen. Damit schützen sie insbesondere auch die Neugeborenen. Ich appelliere daher dringend an das Verantwortungsbewusstsein der Eltern und engen Kontaktpersonen und fordere die ärztlichen Kollegen nachdrücklich auf, fehlende Impfungen bei Erwachsenen und Kindern bei Arztbesuchen anzusprechen und erforderlichenfalls sofort nachzuholen. Den Bürgern sage ich: Nehmen Sie Ihren Impfausweis beim nächsten Besuch mit zu Ihrem Arzt und sprechen Sie vertrauensvoll mit ihm über Ihren Impfstatus.“
  
„IMPFEN NÜTZT – IMPFEN SCHÜTZT!“

 


Keuchhusten
 
Die Grundimmunisierung der Säuglinge und Kleinkinder gegen Keuchhusten sollte zum frühestmöglichen Zeitpunkt, das heißt unmittelbar nach Vollendung des zweiten Lebensmonats begonnen und fortgeführt werden. Auffrischungsimpfungen erfolgen zuerst mit 5 bis 6 Jahren, eine weitere Dosis erfolgt zwischen 9 und 17 Jahren. Bei Keuchhusten leiden die Patienten wochenlang unter zum Teil heftigen Hustenanfällen. Die häufigste Komplikation ist eine Lungenentzündung.
 
Keuchhusten ist hochansteckend. Unter Einjährige haben ein besonders hohes Risiko, schwer an Keuchhusten zu erkranken. Zudem kann es gerade bei Säuglingen bei Keuchhusten auch zu untypischen Krankheitsverläufen mit Atemstillständen und Tod kommen - eine 2016 in Deutschland leider dreimal vorgekommene, vermeidbare Katastrophe für die betroffenen Familien.
 
Die Zahl der Keuchhusten-Fälle in Bayern steigt. In diesem Jahr wurden bayernweit bereits 970 Erkrankungen registriert. Das sind schon 34 Fälle mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum (936 Fälle), im Jahr 2016 waren es 637 Fälle und im Jahr 2015 631 Fälle. Bislang kam es in Bayern in der Altersgruppe der unter Einjährigen zu sieben Keuchhusten-Fällen in diesem Jahr. Im Vorjahreszeitraum wurden 19 Keuchhustenfälle in Bayern bei unter Einjährigen gemeldet. Im Jahr 2017 wurden dem Gesundheitsamt Oberallgäu 11 Keuchhustenfälle gemeldet, mehr als 2015 (7) und 2016 (3) zusammen.
 
  
Masern
 
Die oft als harmlose Kinderkrankheit verkannte schwere Infektionskrankheit „Masern“ kann schwere bis tödliche Verläufe nehmen. 2011 starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit über 158.000 Kinder daran. Erfreulicherweise zeigen die Impfquoten der einzuschulenden Kinder in Bayern, wie bei den Masern, aber einen kontinuierlichen Anstieg. Die Daten der Schuleingangsuntersuchung für das Schuljahr 2015/2016 zeigen, dass in Bayern 96,1% der Kinder mindestens eine Masernimpfung und 91,3 % zwei Masernimpfungen erhalten haben. Aber ungeimpfte Jugendliche und Erwachsene erkranken häufig an Masern. Die Hälfte (52 %) der in den Jahren 2010 bis 2017 in Bayern gemeldeten Fälle war 15 bis 45 Jahre alt. Die Masern-Impfraten sind folglich noch zu niedrig. Zur Elimination der Masern ist eine Quote der 2. Impfung von mindestens 95 % erforderlich. Dieses Ziel wird noch deutlich verfehlt. Daher brechen immer wieder regional begrenzt und völlig unnötig die Masern aus – auch in Bayern.
 
  
Windpocken = Varizellen
 
Das Jahr 2017 brachte dem Oberallgäu einen neuen Rekord an Windpocken-Meldungen. Insgesamt wurden 177 Fälle gemeldet, soviele wie in den Jahren 2014 bis 2016 zusammen (174). Wie bisher schon dürfen Erkrankte mit Verdacht auf oder Erkrankung an Windpocken eine Gemeinschaftseinrichtung solange nicht betreten, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist. Eine Wiederzulassung ist meist etwa eine Woche nach Beginn einer unkomplizierten Erkrankung, d.h. mit dem vollständigen Verkrusten aller bläschenförmigen Hauterscheinungen, möglich.
 
Neu dürfen Kontaktpersonen in gleicher Wohngemeinschaft laut Novellierung des Infektionsschutzgesetzes vom 25.07.2017 die Gemeinschaftseinrichtung zunächst nicht betreten. Deren Wiederzulassung bei Windpocken richtet sich nach dem jeweiligen Impf- bzw. Immunstatus:
 
• Sofern Windpocken durchgemacht wurden oder zwei dokumentierte Impfungen vorliegen, sind keine weiteren Maßnahmen notwendig; dies gilt auch für vor 2004 geborene und in Deutschland aufgewachsene Personen.
• Bei bisher nicht oder nur einmal geimpften Personen sollte dringend sofortiger Kontakt mit dem Haus- oder Kinderarzt erfolgen, um nach Beratung ggf. eine sogenannte Postexpositionsimpfung binnen 5 Tagen nach Exposition vorzunehmen. Dann ist nach Einzelfallprüfung und ohne Kontakt zu Risikopatienten eine Wiederzulassung möglich.
• Nicht geschützte Kontaktpersonen, die auch keine Inkubationsimpfung erhalten haben, sind neu für die mittlere Dauer der Inkubationszeit - somit 16 Tage - vom Besuch der Gemeinschaftseinrichtung ausgeschlossen. Dies betrifft insbesondere nicht geimpfte Geschwisterkinder. Das Gesundheitsamt Oberallgäu hat ausdrückliche Weisung des Gesundheitsministeriums, auf der neuen gesetzlichen Grundlage so zu verfahren. Die - durch Impfung vermeidbar gewesenen - Probleme im Hinblick auf die wochenlange Be-treuung der betroffenen Kinder zu Hause gehen zu Lasten der ggf. berufstätigen Eltern. Die hinter den neuen Änderungen des Infektionsschutzgesetzes zu Windpocken stehende Absicht der Bundesregierung ist somit klar ersichtlich.
 
 
 
Frühsommer-Meningoenzephalitis = FSME
 
Große Sorgen bereitet DR. Glocker darüber hinaus die miserable Durchimpfungsrate der Oberallgäuer Kinder gegen FSME. Die FSME-Impfquote bei der Schuleingangsuntersuchung der Oberallgäuer Kinder lag im Untersuchungsjahr 2014/2015 nur noch bei 14,5%. Aktuell ist laut dem bayerischen Gesundheitsministerium nur etwa ein Drittel (33,3%) der Schulanfänger gegen FSME geimpft. Gerade Kinder zwischen fünf und neun Jahren sind aber besonders häufig von FSME betroffen. Das Oberallgäu erreicht nicht einmal die Hälfte der ihrerseits viel zu niedrigen bayerischen FSME-Impfquote, obwohl FSME-Erkrankungen im Oberallgäu bis auf die höheren Gebirgslagen jederzeit drohen. Nur jedes 7. einzuschulende Kind ist im Oberallgäu gegen FSME geimpft.
 

Details

Datum: 16.04.18

Dr. Alfred Glocker
Leiter Gesundheitsamt Leitender Medizinaldirektor